Umweltverhältnisse jenseits von Tradition und Moderne.pdf

Umweltverhältnisse jenseits von Tradition und Moderne PDF

In der globalen Umwelt- und Entwicklungskrise ist sowohl das Umweltverhältnis der Moderne als auch deren Konzeption von Entwicklung problematisch geworden. Die Einrichtung von Natur-Schutzgebieten ist ein zentraler Ansatz zur Lösung der Krise im Rahmen einer Strategie des globalen Ressourcenmanagements. Basierend auf antagonistischen Konzeptualisierungen von Natur versus Kultur und Tradition versus Moderne, zielt der klassische Schutzgebietsansatz auf die Entfernung von Menschen aus Gebieten, die primär dem Schutz der Natur dienen sollen. Seit den 1980er Jahren hat eine Revision dieses Ansatzes auf internationaler Ebene zur Durchsetzung utilitätsorientierter partizipativer Ansätze geführt, die Interessen und Rechte lokaler Bevölkerungen in und am Rande von Schutzgebieten berücksichtigen. Die Praxis der Einrichtung und des Managements von Schutzgebieten ist aber häufig weit entfernt von den Standards dieses revidierten Schutzgebietskonzepts. Darüber hinaus stößt der utilitätsorientierte globalistische Managementansatz seit den 1990er Jahren auf die Kritik lokalistischer Gegenpositionen, die Strategien lokaler Ressourcenkontrolle und kultureller Selbstbestimmung in den Mittelpunkt ihres alternativen Lösungsansatzes für die globale Umwelt- und Entwicklungskrise stellen.Vor diesem Hintergrund untersucht der Anthropologe Reiner Buergin die Konflikte um Gemeinschaften der ethnischen Minderheit der Karen im 1974 eingerichteten Thung Yai Naresuan Wildlife Sanctuary im Westen Thailands, das 1991 von der UNESCO zu einem Weltnaturerbe erklärt wurde. Karen siedeln dort seit mindestens 200 Jahren. In einem zyklischen Schwendbausystem bauen sie primär Reis für den Subsistenzbedarf an. Umsiedlungen erfolgten seit der Einrichtung des Schutzgebiets. Mit der Erklärung zum Weltnaturerbe wurden die verbliebenen Gemeinschaften zum Politikum. Die Forstverwaltung schränkt das traditionelle Wald- und Landnutzungssystem der Karen ein und versucht, ihre Umsiedlung durchzusetzen. In der forst- und umweltpolitischen Diskussion in Thailand und auf internationaler Ebene dient Thung Yai aber auch als Beispiel dafür, dass Waldschutz und Waldnutzung durch lokale Bevölkerungsgruppen durchaus miteinander vereinbar sind.Die im Rahmen eines Dissertationsprojekts erfolgte Untersuchung interessiert sich sowohl für Prozesse lokalen Wandels in den Gemeinschaften in Thung Yai als auch für die politischen Auseinandersetzungen um die Siedlungen. Beide Aspekte lassen sich nur im Kontext nationaler und internationaler Modernisierungsprozesse und Umweltdiskurse verstehen. Die dynamische kulturelle Identität der Karen in Thung Yai ist zentral für ihre Anpassung an diese Wandlungsprozesse, aber auch für ihren Widerstand gegenüber den externen Bedrohungen. Über die Analyse des konkreten Konfliktfalls im Kontext nationaler und globaler Entwicklungen und Diskurse hinaus zielt die Studie auch auf den Rückbezug der Analyse auf den eigenen kulturellen Kontext, die Kultur der Moderne.Reiner Buergin plädiert für die Anerkennung der traditionellen Siedlungs- und Nutzungsrechte der Karen und sieht in ihrer Beteiligung am Management des Weltnaturerbes ein wichtiges Potenzial für den Schutz der Ressourcen und Biodiversität des Gebiets. Hinsichtlich des problematischen Zusammenhangs von nationaler Integration, Modernisierung und kultureller Diversität vertritt er einen Kulturschutzansatz, in dessen Mittelpunkt der selbstbestimmte Wandel sozialer Gruppierungen steht. Mit Blick auf die Kultur der Moderne impliziert dieser Kulturschutzansatz die Reflexion universalistischer und hegemonialer Ansprüche der Moderne sowie eine neue Aufmerksamkeit für Umweltverhältnisse und Gemeinschaftsformen jenseits der Stereotype Tradition und Moderne.

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DATEIGRÖSSE 8.63 MB
ISBN 9783898213929
AUTOR Reiner Buergin
DATEINAME Umweltverhältnisse jenseits von Tradition und Moderne.pdf
VERöFFENTLICHUNGSDATUM 05/03/2020

www.sefut.uni-freiburg.de